RAUM 1

ECHO - Aura der Antike

Drei Trierer Köpfe, Satyr, Prora und Hermenkopf werden als Malerei, Foto und Film inszeniert: Die Köpfe- Bilder werden durch Projektion eines Morphing – Films (Bildvariationen zu einem Thema) in der Mitte zwischen den Bildinstallationen präsentiert. Freigestellte Fotos der steinernen Köpfe hängen auf halbtransparenten Bannern frei im Raum.

Video Komposition und Technik: Ania Geiger
Musik: Yanina Bielai, Violine; Faris Badarni, elektronische Komposition
Optional: Hanjo Gäbler, Komposition

RAUM 1

Groteske Dialoge & Virtuose Komödien

Autonomie der Bilder – l'image est acte




Dea Mosella Projektion eines Morphing-Films

Bildsprache: „das Bild spricht mich an“
Zwei Satyrn als antike Mischwesen von Natur und Mensch führen einen Dialog mit der Göttin: lächelnd, spöttisch und charmant. Im Titel der Ausstellung wird Aura als charismatische Ausstrahlung verstanden und kennzeichnet die spezifische Wirkung von Bildern. Die drei Trierer Römer-Köpfe sind in einem lebhaften und intensiven Dialog. Die Dea Mosella wechselt im Film die Maske, sie verwandelt sich unvermittelt durch künstlerische Variationen in Eindrücke, die an Models, Selfies oder Emojis denken lassen.







Der sog. „Bildakt“ ( Bredekamp) oder die Macht der Bilder besteht darin, dass sie mehr enthalten als sie zeigen. Bilder führen ein Eigenleben als Handlung auslösende Kräfte. Das künstlerische Experiment wird gewagt, 2000 Jahre alte römische Kunst mit der neuen Ästhetik digitaler Bildoberflächen zu würdigen. Die selbstleuchtenden LED-Bildwände verweisen den Betrachter auf seine eigenen aktuellen Seherfahrungen in modernen Lebenswelten. Es sind die Bildsprachen unserer allgegenwärtigen Medien und Ikonen des Zeitgeists in den aktuellen Bilderfluten: Comic, Werbung Presse und Wissenschaft. Sie erinnern aber auch an Kathedralfenster der Gotik oder an religiöse Darstellungen z. B. der Pathosformel des dreiteiligen Triptychons.





Der Werkzyklus TIME CODES und die Ausstellung ECHO zielen auf die ursprüngliche Funktion des Mythos als einer märchenhaften und symbolischen Erzählung in Bild-Inszenierungen repräsentativer Themen und demonstriert die antiken Werke als Bildmuster und Ikonen von existenziellen, zeitlosen Grunderfahrungen. Die dreiteilige Werkserie TIME CODES versteht sich damit als ein aktueller Beitrag zur Historiographie oder zur Visual History. (Gerhard Paul)



Deutung

Die spezielle Ausstellungs-Szenographie des vergleichenden Sehens von Vorbild und Abbild wird zum kreativen Prozess. Meta-Thema der Ausstellung ist das Sehen von Bildern als vieldeutiges Rätsel, als nichtrationaler Erkenntnisweg zum Thema, das durch persönliche Assoziationen dechiffriert wird. Die Bildinstallationen, die den Betrachter das Original-Vorbild auf den Textilbannern mit dem malerischen Abbild vergleichen lassen werden in einem interaktiven Wahrnehmungsvorgang bewusst gemacht. Es soll erfahren werden, dass Bilder als „eigene, autonome und wirkmächtige Energie und als Bildakt“ verstanden werden. (Bredekamp) (David Freedberg, The Power of Images, „acte iconique“ u. a.)

Die neue Ästhetik digitaler Oberflächen zusammen mit der distanzierten Autonomie selbstleuchtender Bilder macht das Bild zum Akteur: In Stilzitaten aus der allgegenwärtigen medialen Bilderflut des Iconic Turn wird die formale Verbindung zur trivialen Praxis des Bilderlesens hergestellt.

Szenographie, performative Installation und theatralische Stilmittel sind die Reaktion auf eine veränderte Betrachter-Erwartung einer Erlebnisausstellung. Die Stilmittel der Transparenz, der Spiegelung und der Leuchtobjekte in Beziehung zur digitalen Darstellungstechnik bilden einen veränderten Werkbegriff. Der Künstler scheint hinter diesen Wirkungen verborgen und abwesend. Die Bilder wirken geisterhaft anonym als „Werk ohne Autor“.

Horst Bredekamp: „Theorie des Bildakts“ Berlin 2010, David Freedberg: „The Power of Images“ Chicago 1989, Gerhard Paul „Visual History“ - Ein Studienbuch, Göttingen 2006, Andreas Reckwitz, „Die Erfindung der Kreativität“ Zum Prozess gesellschaftlicher Ästhetisierung, Suhrkamp, Berlin 2012, Gregor Isenbort „Szenographie in Ausstellungen und Museen“ Stapferhaus Lenzburg „Dramaturgie in der Ausstellung“,